Dass die „Taube“ Schiffbruch erlitt, ist im höchsten Maße traurig und unnötig, und ohne die wenigen Infos über den Hergang des Unglücks für Spekulationen benutzen zu wollen, habe ich mir dennoch folgende Gedanken übers Schiff und deren Besatzung gemacht:
Bei einer Verdrängung von 3,5 t, wie es zu lesen war, habe ich mal überschlagen, was eigentlich bei 7 Crew an zusätzlichem Gewicht aufs Schiff gekommen war. Also, rechnen wir 70kg pro Person, und nochmal 20kg an persönlichen Sachen pro Person, das wären zusammen 630kg. Dazu kommen nochmal Wasser, Treibstoff und Proviant, sagen wir mal für eine Woche, da ja von Asilah „nur“ bis Rabat gesegelt werden sollte, und da es sich um ein alternatives Projekt handelt, nehme ich an dass einiges an Werkzeug und Ersatzteilen an Bord verstaut war; schliesslich sollte die Reise bekanntlich bis Südamerika gehen. also nochmal ca 200kg Wasser, Proviant und Treibstoff, sowie 200-300kg Werkzeug + Ersatzteile oder Reservesegel, da sind wir schnell bei 1100-1200kg Zuladung. Nicht zu vergessen die Ausrüstung zur Lebensrettung, Rettungsinsel und Schwimmwesten, Erste Hilfe und Seenotsignale, da kommen nochmal 100kg zusammen. Wenn dies so gewesen ist, dann war die Taube ziemlich überladen, und das geht natürlich auf Kosten der Seetauglichkeit.
Bleibt die Frage: ist es verantwortungslos, ja fahrlässig, unter dem Motto „Segeln in/für eine andere Welt“ junge Menschen, die für diese Idee in die Welt reisen, zusammengepfercht in so einer „Nussschale“ auf hohe See zu lassen? Wer sollte darüber entscheiden, der jeweilige Hafenkapitän, der Skipper an Bord der „Taube“, oder der Verein Migrobirdo? Meiner Meinung nach trägt immer der Skipper die Verantwortung.
Ihn kann man nun wahrscheinlich nicht mehr fragen.
Davon abgesehen ist das Befahren der hohen See ja nicht verboten oder unter heftigen Regeln verbarrikadiert, sondern es bleibt jedem unbenommen dies zu tun, egal in was für einem „Gegenstand“. Oder wurde die „Taube“ etwa basisdemokratisch geführt? Musste vor jeder seemännischen Entscheidung eine demokratische Mehrheit von Unwissenden eingeholt werden? Vielleicht vertrug sich die Philosophie der Migrobirdo Gemeinde nicht mit der streng hierarchischen und autoritären Art, ein Schiff zu führen, die nach meiner Meinung und der vieler Berufsskipper immer nötig ist, erst recht bei häufig wechselnder und relativ unerfahrener Crew.
Ich hoffe immer noch dass es weitere Überlebende gibt und dass wir erfahren können, warum es zu dieser schrecklichen Tragödie kommen musste!
Der Grund, warum es mich und so viele andere Sailors immer wieder auf See zieht könnte in folgendem maritimen Zitat enthalten sein:
„Ehre sei Gott auf dem Meere. Er hat das Meer so weit bestellt, als schönsten Teil der großen Welt. Und tat damit seinen Willen kund, auf dass nicht jeder Lumpenhund, mit denen die Erde so reichlich gesegnet, dem braven Seemann da draußen begegnet!“
Damit meine ich ausdrücklich nicht die jungen Seefahrer wie die Migrobirdos, die sozusagen alternativ zur See fahren, begleitet von einer gehörigen Portion Idealismus anstelle von praktischer Seemannschaft, ihnen hatte eben nur das nötige Glück gefehlt. Ausserdem waren sie ja bereits durch die Nordsee, den Englischen Kanal und die Biscaya, dann weiter die Küste Portugals herunter bis ins Mittelmeer gelangt, ohne abzusaufen, also kann man ihnen durchaus Kenntnisse der Seemannschaft unterstellen; sonst wären sie wahrscheinlich schon vorher gestrandet!
Die Lumpenhunde sind diejenigen, die seit Einführung des GPS ohne viel Ahnung über terrestrische und astronomische Navigation die Weltmeere bevölkern; wenn du sie fragst, was sie denn machen wollen, wenn ihre Elektronik mal versagt, dann haben diese Brotschuster eben noch ein eingeschweißtes GPS- Gerät in Reserve..



Einen kurzen Beitrag zu den tragischen Unglück.
Komme gerade von den Kanaren vom einwöchigen Törn als Skipper zurück.
Es ist schon verdammt schwierig von der heimatlichen Couch und den dürftigen Informationen schlüssig Ursachen festzustellen.
Wer auf dem Antlantik noch nicht gewesen ist, sollte sich auch zurückhalten, irgendwelche Theorien aufzustellen.
Nun dieses Unglück zu benutzen die klassische Navigation wiedermal als einzig wahren Teil der Seemannschaft hervor zu heben, finde ich eine Farce.
Diese Zitat spricht eine Wahrheit, die an dieser Stelle vollkommen fehl am Platz ist.
Der Mensch macht Fehler, jeder Mensch.
Das Meer kann schon kleine Fehler bestrafen.
Zahlbar mit dem eigenen Leben.
Es tut mir leid, nur beim Lesen diese Beitrages kam mir ein wenig Galle hoch.
Von: Thomas am 25. Januar 2009
um 17:10
Hi Thomas,
habe selbst 2 Jahre am Stück Törns auf den Kanaren gefahren, sowie weltweit mehr als 100000 sm,
lass mal deine Galle stecken – ich weiss wovon ich rede!
Hör dir mal irgendein Besatzungsmitglied auf ‘nem Seenotrettungsboot an, deren Aussagen
bestätigen, wovon ich geschrieben habe, denn diese Leute riskieren ihren Hintern
für meist leichtsinnige Aquanauten, die, aus welchen Gründen auch immer, mal eben
mit dem Boot losgefahren sind.
Arild
Von: arild am 25. Januar 2009
um 17:38
Hi Arid,
ich hoffe ich muss solche Lumpen wie dich nicht retten, selbstverständlich mach ichs.
Grüße Aion
Von: Aion am 27. Januar 2009
um 22:02
Hallo Arid,
es ging mir um die Sache der „Taube“.
Sicher kannst Du recht haben mit der Überladung und einen Skipper auf diesen kleinen Boot der mit einer vielleicht unerfahrenen Crew unterwegs war.
Wer weiß, was den Bootsführer getrieben hat, diesen Hafen anzulaufen. Die Brandung bei Annäherung hätte mir jedenfalls selbst mit einen größeren Boot ein draußen bleiben und ablaufen vor dem Wind (egal wieviel Auswurf rumfliegt) aufgezwungen.
Nein, Dein Satz mit der klassischen Navigation ist auch so ein Ding, was ich widersprechen muß.
Bei 5m Welle und als vielleicht Einziger der noch seinen Körper halbwegs im Griff hat (eigene Erfahrung), ist es ein Zugewinn an Sicherheit, am Steuer einen Kartenplotter dabei zu haben.
Meinen letzten organisierten Törn (Nordsee) als Deckshand, habe ich erlebt, wo Inhaber eines SSS sich nach minutenlangen Kartenplotten, einen Standort als Wachführer nannten, der
15 SM vorher passiert worden war.
Kenne Deine Grenzen und Deine Fehler und handele entsprechend!!!
Jeder erfahrenere Skipper, den ich bisher traf sprach mich auf meinen Hand-Kartenplotter und meinen Erfahrungen damit an.
Der Kommentar hinterher von fast allen: „Ja, ich überlege auch schon länger, ob ich mir so ein Teil zulegen sollte.“
Für mich ist es eine Frage auch der Schiffssicherheit wieviele Quellen zur Verfügung stehen, um eine jederzeit relativ genaue Position zu bekommen.
Jeder hat einen anderen Anspruch auf Anwendung guter Seemannschaft.
Wir sind alles Menschen und Seenotrettung ist keine sinnvolle Erfindung der Neuzeit.
Die überheblichen Berufsskipper auf irgendwelchen Seelenvrkäufern, die vietnamesische Köche an Bord haben, betrunken auf der Brücke nachts stehen und jedwedes Wegerecht ignorieren, sind die eigendlichen Lumpen auf See.
Gruß Thomas
Von: Thomas am 28. Januar 2009
um 08:08
Thomas,
danke für deine Klarstellung! Also ich hab nix gegen Plotter, Hand-GPS usw., die will ich nicht verteufeln, benutze sie selbst gerne, da äusserst praktisch! Stimme dir zu dass es schwarze Schafe gibt, die Sportboote ignorieren und, wenn sie betrunken sind, NICHT mal auf der Brücke stehen…
Wollte nur deutlich machen, dass Seefahrt kein Spass ist, nach dem Motto „nachhaltig reisen“, sondern es immer um Leben und Tod geht.
Arild
Von: arild am 28. Januar 2009
um 11:10